Befreiung aus der Täter-Opfer-Energie, indem ich Verantwortung übernehme.

Aus Tätern werden Opfer und aus Opfern werden Täter oder noch weiter gedacht: Täter haben Opferenergie und Opfer haben Täterenergie. Und: das Offensichtliche, also das, was offen sichtbar ist, ist oft nicht das, was im Verborgenen wirkt, also die Wirklichkeit bestimmt. ...


Manchmal ist nach außen ein Klient das Opfer und in Wirklichkeit lässt er die anderen wüten.

Opfer gewesen zu sein, erklärt, rechtfertigt aber nicht, Täter zu sein. Man könnte sich seines Tuns bewusst werden und sein Verhalten ändern – vielleicht nicht alleine, aber mit Unterstützung von Helfern.

Wir erhalten Hinweise auf unsere Schattenseiten, hier auf unser Täter-Sein. Schattenseiten sollen wir ans Licht bringen, um klarer und stärker zu werden.  Wir wollen unsere Schatten jedoch nicht beleuchten, denn viele von uns sind so geprägt, dass „verantwortlich sein“ auch „schuld sein“ heißt. Schuld ist eine Wertung und in keinster Weise hilfreich auf unserem Weg zur persönlichen Entwicklung. Viele Menschen leugnen vor sich und vor anderen ihr Handeln und die Kausalkette, die sie in Gang gesetzt haben aus Angst, „schuld“ an dem zu sein, was sie verursacht haben. Oft höre ich ganz schnell, wenn ich dann als Coach an Themen komme, die der Klient lange im Schatten gehalten hat: „Ich konnte nicht anders, ich bin halt so, das kann man mir doch nicht vorwerfen – ich meine es nur gut, ich kann aus meiner Haut nicht raus usw.“ oder das Gegenteil: „Ich habe ganz Furchtbares getan, das ist nicht mehr gut zu machen, ich schäme mich so usw.“ Das mag ja alles richtig oder auch alles falsch sein.  Wichtig ist nur, dass man seinen Anteil an einem Geschehen bewusst annimmt und sein Handeln nicht wegwischt. Da hilft es, beim Erzählen erst mal nichts zu kommentieren, sondern nur die Fakten darzulegen, ohne Färbung, ohne Wertung. Das ist eine Erzählweise, die wir fast nicht mehr üben und die doch so segensreich ist - sogar für unsere Selbstgespräche und erst recht wenn wir zu anderen und mit anderen und über andere sprechen.

Wir sind zu jeder Zeit voll verantwortlich für unser Tun und die Folgen unseres Tuns. Wir sind deshalb noch lange nicht schuldig.
Überhaupt ist der Begriff schuldig ein schwer zu fassender. Natürlich gibt es im Strafrecht den Begriff der Schuld. Nur wer schuldfähig ist, also Schuld hat, kann bestraft werden. Schuld ist die individuelle Vorwerfbarkeit, und vor genau dieser Vorwerfbarkeit fürchten wir uns. Das ist völlig unnötig. Denn es gibt keine Richter – ich meine jetzt nicht die weltlichen Richter – sondern nur ein Karma, dessen Weg wir folgen oder eben noch nicht folgen. Und wir haben keine Eile, denn wir können jederzeit, also auch einige Leben später, unsere Erfahrungen machen. Und das Interessante ist: Je aufrichtiger wir unsere Verantwortung für unser Tun anerkennen, desto leichter folgen wir unserem karmischen Weg.
Unsere Aufgabe ist, dem rechten Weg zu folgen, der göttlichen Ordnung. Wenn wir das nicht tun, tun wir gut daran, dafür die Verantwortung zu übernehmen, denn dann spüren wir leichter unseren inneren Kompass, der uns gut leitet.

Habe stets Respekt vor dir selbst, Respekt vor anderen und übernimm Verantwortung für deine Taten. (Dalai Lama)

Foto: Uwe Becker

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