Herzenssprache versus Verstandessprache

Bedeutung der Herzenssprache.
Mit der Herzenssprache nehmen zwei Seelen Kontakt auf. Mit einer Verstandessprache erreichen wir – wenn überhaupt - den Verstand des anderen. Verstandessprache ist die Kommunikation im eingeengten Sinn. Diese Verständigungsform ist nur begrenzt hilfreich, denn sie ist anfällig für viele Missverständnisse. Ein Grund ist, dass der Verstand vom Ego manipuliert wird, siehe mein Post "Den rechten Weg finden". Und es gibt  soziologische Voreinstellungen, die zu Missdeutungen führen - die das Ego gleich für sich ausnützt: „Ich sollte anders sein“, „Ich bin richtig – der andere ist falsch“. Die abgemilderte, ebenso nicht hilfreiche Formulierung ist: „Ich verhalte mich richtig - der andere verhält sich falsch“, „Ich sollte mich anders verhalten“.


Deshalb haben Menschen, die erfahren und erfolgreich in unterschiedlichen Kulturen sind, meist kleine Egos. Unterschiedliche Kulturen gibt es in unterschiedlichen geographischen Regionen, Familien, Firmen, Freundeskreisen. Solange unser Ego weiterhin mächtig ist, können wir nicht wirklich in Verbindung mit anderen Menschen treten, um gute Veränderungen zu bewirken. Um sich zu erweitern, genügt es schon, im Alltag, im eigenen Umfeld zu üben: „Ich werte nicht. Ich mag dieses Verhalten und jenes Verhalten tut mir nicht gut – aber ich maße mir kein Urteil an.“

Wer aufhört sich zum Richter über sich und andere aufzuspielen, darf viele heilsame Erfahrungen machen.

Praxis der Herzenssprache

1. Kommentiere nicht und liefere keine Erklärungen:

Kommentierungen und Erklärungen sind meist eine  Profilierung des Egos. Das Ego manipuliert den Verstand, „gescheit daher zu reden“. Ich weiß was, also bin ich.

„Mein Kollege gibt mir die Information nicht, weil er unsicher ist und Angst vor starken Frauen hat“. Ach wirklich? Als Coach und Therapeutin weiß ich vor allem eines: Es ist meist nicht das Offensichtliche, das Vordergründige. Und oft sind es bei uns Menschen mehrere Schichten, die die Ursache für unser Sein und Tun verbergen. Oft wurde die Ursache für unsere jetzige Situation in einem früheren Leben gesetzt. Wir haben jedoch im Normalfall keinen Zugang zu dieser Erkenntnis solange wir in unserem Körper weilen. In diesem Leben reden wir aber munter so als ob wir alles wüssten. Und ein Inkarnierter, der über andere oder auch nur über sich selbst spricht, kennt die Ursachen meist nicht für die jetzige Situation. Wäre der Verstand so schlau, dann hätten wir ja keine Probleme und wären glücklich und erfolgreich.

Empfehlung: Lasse Geschehnisse einfach sein, ohne sie in Schubladen einzuordnen.

Übe dich im wertfreien Beschreiben einer Situation: „Mein Kollege gibt mir wichtige Informationen nicht. Ich werde ihn bitten, mir das nächste Mal diese Informationen zu geben. Ich werde ihn, wenn nötig, wiederholt und zeitnah ansprechen. Sollte sich nichts verändern, so werde ich ihn auf sein Verhalten ansprechen. Wir werden ein gutes Miteinander finden oder ich werde eine andere Lösung für mich finden.“ Diese Vorgehensweise lässt die Verantwortung für den Erhalt der Information bei dir und ermöglicht den lösenden nächsten Schritt.

2. Beende negative Bewegungen

Wenn wir gefragt werden, wie es uns geht und wir sagen „Ich bin krank“, dann definieren wir einen Zustand, der als Befehl vom Unterbewussten aufgenommen wird. Nach zwei Wochen, sind wir nicht mehr sichtbar krank, aber diese Botschaft wirkt weiter, weil wir ihr kein Ende gesetzt haben. Da hilft es zu sich zu sagen: „Ich war krank ( = abgeschlossen). Jetzt werde ich von Tag zu Tag gesünder“ „Ich war krank. Jetzt bin ich ganz gesund“.

Ich kannte einen Mann, der auf die Frage, wie es ihm ginge, immer wörtlich antwortete: “Meine Ehe ist im Eimer, ich habe kein Geld, aber ich liebe meine Kinder“. Eine heilsamere Variante wäre gewesen: „Gut, danke. Meine Frau und ich werden kommenden Sonntag einen schönen Ausflug machen und darauf freue ich mich besonders.“ So gibt man der Ehe die Chance der Veränderung – in welche Richtung auch immer und vor allem, man plaudert nicht intimes Gefühlsleben nach außen.

„Ich habe kein Geld“ mag ja die derzeitige Situation beschreiben, zementiert sie jedoch auch.

 

Ein Satz mit höherer Energie ist: „Ich kam bisher mit meinem Geld nicht aus. Ich bin dabei, eine Lösung zu finden (nicht: zu suchen).“ „Ich kann mir mit dem Geld, das ich verdiene bereits das Wichtigste leisten. Ich überlege mir, wie ich mehr verdienen kann, um mehr finanziellen Spielraum zu haben.“ Diese Vorgehensweise lässt die Verantwortung für deine finanzielle Situation bei dir und ermöglicht den lösenden nächsten Schritt.

Empfehlung: Formuliere Sätze so, dass sie eine heilsame Veränderung ermöglichen.

3. Worte sind Energie

„Ich habe einen Anschlag auf dich vor!“ „Schieß’ los!“ oder besser: „Kannst du mir bitte helfen, das Formular auszufüllen?“ „Gerne“ oder „Gerne. Ich komme heute Nachmittag zu dir, im Moment will ich (nicht: muss ich) etwas zu Ende bringen.“

„Ich erfülle meine Aufgaben“ ist eine Tätigkeit, die mich erfüllt nach Hause gehen lässt. „Ich erledige meine Aufgaben“ hat die Energie von „erlegen“ und ist eine Machtsprache, die die Aufgabe nicht wertschätzt, sondern sie kalt macht.

Empfehlung: Bücher und Karten-Sets von Lingva Eterna.

4. Alles zu seiner Zeit

Lasse der Zukunft was der Zukunft ist und lasse der Vergangenheit, was der Vergangenheit ist.

„Ich habe nächste Woche einen wichtigen Workshop und muss noch viel vorbereiten.“ lädt die ganze schwere Energie in diesen Augenblick. So wird der jetzige Moment ganz voll mit Ereignissen, die jetzt noch gar nicht stattfinden. Das führt zu Druck und Verwirrung. Eine leichtere Energie hat dieser Satz: „Ich werde nächste Woche einen wichtigen Workshop leiten und ich werde heute Nachmittag mit der Vorbereitung beginnen.“ Dann bin ich jetzt frei, andere Aufgaben zu erfüllen.

„Ich habe mit meiner Freundin Schluß gemacht“. Mit dieser Satzkonstruktion wirkt diese Situation bis ins Jetzt, „Schluss“ klingt wie „Schuss“. „Ich hatte eine Freundin. Jetzt sind wir getrennt“ beinhaltet die Energie, dass jetzt Neues kommen darf. Das Alte ist beendet und ruht.

5. Sätze beenden

Bei Aussagesätzen geht die Satzmelodie nach unten. Tut sie das nicht, was eine häufige Gewohnheit vor allem bei Frauen ist, so klingen die Sätze wie Fragen. Damit stellt man die eigene Aussage in Frage, sich selbst, hält sich ein Türchen offen und vor allem, man erzeugt Verwirrung bei sich und dem anderen. Und bei sich auch noch Druck, weil so viel offen und unbeantwortet ist.

Spricht man klar aus, was man sagen möchte, so hat der andere die Möglichkeit, klar darauf zu antworten. So gewinnt man gemeinsam Klarheit über die nächsten Schritte.

Empfehlung: Entlaste dich mit einem Punkt am Satzende.

6. Langsam sprechen und Pausen ermöglichen = wirken lassen

Alles was zu uns gesagt wird, müssen wir in unsere Welt übersetzen, um es wirklich zu begreifen. Das dauert. Und dafür sind Pausen da. Je schneller ein Satz dem anderen folgt, desto anstrengender und oberflächlicher wird die Kommunikation. Das Ego möchte die Geschwindigkeit immer mehr erhöhen, damit sich Herzen nicht verbinden können. Verliebte sprechen in Momenten des Glücks langsam miteinander, von Herz zu Herz.

Ein weiterer Segen des langsamen Sprechens ist, dass wir Inhalte verdichten, weil wir ja weniger Wörter in der gleichen Zeit senden können. Damit werden wir wesentlicher, kommen also dem Wesen der Dinge, die wir beschreiben näher.

Menschen, die etwas Wesentliches zu sagen haben, brauchen nicht viele Worte.

Die Verstandessprache trennt, die Herzenssprache verbindet

Die Verstandessprache trennt, die Herzenssprache verbindet

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